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vom Nordschleswiger - der deutschen Tageszeitung in Dänemark

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Nachmittagsfahrt nach Ruttebüll, in die Friedrichsköge und nach Hoyer am Sonnabend, 3. Sept. 2011

Die Nachmittagsfahrt der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig führt an die Westküste. Treffpunkt ist am 3. Sept. 2011 um 13.30 Uhr der Parkplatz vor der Tondernhalle, wo ein Bus bereitstehen wird. Vor dort geht es nach Ruttebüll und nach einer Kaffeepause weiter in den Alten Friedrichskoog (1692) zum Neuen Friedrichskoog (1861) zum Margrethenkoog (1982) und schließlich nach Hoyer. Abschluss ist gegen 18.00 Uhr in Tondern.
Kosten 130 Kr. (bitte abgezähltes Geld bereit halten)
Anmeldungen schriftlich bis 29. Aug. an Lorenz P. Wree, Volmersvej 18, DK-6330 Padborg, max. Teilnehmerzahl 50 Pers.

So war unsere Exkursion nach Kiel

Die Exkursion der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig führte am 7. Mai 2011 nach Kiel. Die Geschichte der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt war bereits Thema der Jahrestagung der HAG im März in der Akademie Sankelmark gewesen.
Der Kieler Historiker Dr. Martin Rackwitz erwartete uns um 10 Uhr bei der Landesbibliothek am Kieler Hafen.
Die Teilnehmer bekamen am Anfang Kopien von Stadtanssichten und einigen markanten ehemaligen Bauten und Denkmälern, deren Standort im Laufe der Wanderung gezeigt wurden.
Auf die Lage des ursprünlichen Hafens und den Standort der ehemaligen Stadttore wurde hingewiesen.
Durch die Holstenstraße ging es zur Nikolaikirche am Markt. Im Innern konnte man vor allem den spätgotischen Altar aus der ehemaligen Klosterkirche und die Barockkanzel von Theodor Allers näher betrachten. Am Altar konnte man unter der Kreuzigungsszene im Mittelfeld das Stifterpaar Johann Ahlefeldt zu Lehmkuhlen und das zugehörige Wappen erkennen. Er war sozusagen ein Nordschleswiger, denn er stammte aus der Seegaarder Linie der Ahlefeldts und genoss das besondere Vertrauen König Christians I. bei den Verhandlungen in Ripen 1460. Der Altar ist im selben Jahr gestiftet worden.

Begrüßung und erste Informationen am Kieler Hafen (Foto: Hanns Peter Blume)

In der Anlage des von Graf Adolf IV. von Schauenburg gegründeten Franziskanerklosters, dem Markt unmittelbar benachbart, konnte man im Klostergarten bei herrlichstem Wetter eine Tasse Kaffee zu sich nehmen. Anschließend wurden wir im erhaltenen Kreuzgangflügel von einem letzten Rest des mittelalterlichen Kiels umfangen. Graf Adolf IV. hatte sich hierhin als Mönch zurückgezogen und ist 1261 gestorben. Die Regierung hatte er seinem Sohn, Johann I., überlassen, und dieser war es dann, der im Jahre 1242 der vom Vater gegründeten Stadt Kiel das lübsche Stadtrecht verlieh.
Die Grabplatte Adofls IV., ursprünglich über dem Grab vorm Alter der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Klosterkirche gelegen, ist jetzt in eine Wandfläche im Kreuzgang eingelassen.
Die Kirche hatte 1665 mit der Gründung der Universität durch Herzog Christian Albrecht von Gottorf den Rang als Universitätskirche erhalten.
Denn in den damals schon sehr alten ehemaligen Klosterbauten hattedie Universität ihren Anfang genommen. 100 Jahre später, 1768, wurde sie in den barocken Neubau durch Georg Ernst Sonnin auf dem Platz vor dem Schloss verlegt und nach 1880 schließlich nochmals in den bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg bestehenden Universitätsbau des Architekten Martin Gropius am Schlossgarten, von dem heute nur noch ein Nebengebäude steht, das einst die Universitätsbibliothek enthielt. Darüber erfuhr die Gruppe dann die (hier vorgezogenen) Informationen am Nachmittag.

Kaffeepause im Klostergarten (Foto: Hanns Peter Blume)

Im Bus ging es zunächst bis vor das Gebäude des schleswig-holsteinischen Landtags. Hier wurde auf die einst nahebei gelegene, im klassizistischen Stil erbaute erste Seebadeanstalt von 1822 hingwiesen sowie auf die Marine-Akademie aus preußischer Zeit, heute Sitz des Landtages. Danach ging es zu Fuß in das Düsternbrooker Gehölz. Am Beginn des bald steil ansteigenden Weges stand einst das Denkmal für Herzog Friedrich VIII., den Augustenburger, auf den sich 1863 die Hoffnungen der Schleswig-Holsteiner richteten, die aber von Bismarck zerschlagen wurden, und dem dann auch nur ein Denkmal an diesem versteckten Ort eingeräumt wurde. Weiter oben im Wald verrät ein unscheinbarer Stein den Standort des einstigen Ausflugslokals ”Sanssouci”. Dieses war einer der Schauplätze in Theodor Storms Novelle ”Auf der Universität”.
Schließlich aber konnte in der Forstbaumschule ein typisches Waldrestaurant der Jahrhundertwende nun auch wirklich erlebt werden. Kurz nach 1900 ist diese hübsche Anlage mit viel Holz erbaut worden, die Balken mit Schnitzwerk sowie kleinen gemalten Bildern versehen, während die Mauerflächen in der vorgelagerten Holzveranda Wandbilder mit Motiven aus dem alten Kiel zeigen.
Hier genossen alle im Freien das Mittagessen, und die lange Pause bot Erholung nach der Wanderung.


Auf dem Weg durch das Düsternbrooker Gehölz zur Forstbaumschule (Foto: Hanns Peter Blume)

Die zweite Tageshälfte setzte dann die Stadtwanderung vom Kleinen Kiel aus fort: in die Dänische Straße, die alte Ausfallstraße aus der Stadt nach Norden, eben Richtung Dänemark. Mit dem dort gelegenen Warleberger Hof hatte man das letzte noch erhaltene Beispiel eines der zahlreicheren einst vorhandenen Adelshöfe vor Augen. Dann, am jetzigen Nordelbischen Kirchenamt, war einstmal der große und stattliche Buchwaldtsche Hof, in dem der Kieler Friede 1814 geschlossen wurde, der den dänischen Gesamtstaat um Norwegen verkleinerte.
Gegenüber, auf einem natürlichen hohen Punkt der Stadtinsel, nur ein restlicher Flügel des ehemaligen Schlosses, dessen Name ”Rantzaubau” hier ganz irrtümlicherweise auf die Adelsfamilie hinweist. Das Schloss selber war von 1805 an Residenz des Kronprinzenpaares Friedrich und Marie, und blieb es auch noch ein weiteres Jahr, nachdem er König Friedrich VI. von Dänemark und damit auch Landesherr über die beiden Herzogtümer geworden war. 1838 stellte er es dann Tochter Wilhelmine und Schwiegersohn, Herzog Carl von Glücksburg, als Wohnsitz zur Verfügung.
Im Jahrhundert davor hatte hier im Schloss die für die weitere Geschichte bedeutsame Hochzeit zwischen dem Gottorfer Herzog Carl Friedrich mit der Zarentochter Anna von Russland stattgefunden. Der letzte Krieg hat alle diese Erinnerungen ausgelöscht. Was sich heute als ”Kieler Schloss” präsentiert, ist ein an den ehemaligen Baukörper immerhin optisch grob erinnernder Neubau der 60er Jahre.
Im Schlossgarten aber kann die Anlage des Parks im englischen Gartenstil auch heute noch erlebt werden. Der hoch zu Ross daherkommende preußische König und spätere Kaiser Wilhelm I. wird unterhalb des Sockels von einem Arrangement aus gelben und blauen Stiefmütterchen
auf grünem Rasen hübsch umrahmt. Dies sind die schleswigschen Farben, die Sockelreliefs jedoch lassen alles Schleswig-Holsteinische, kaum wahrnehmbar, ganz in den Hintergrund treten, und hinter die Bezeichnung Wilhelms als “Befreier Schleswig-Holsteins” müsste doch wohl ein Fragezeichen gesetzt werden, meinte Dr. Rackwitz, der auch jetzt am Nachmittag immer noch die ganze Aufmerksamkeit seiner Hörer hatte.


Der Warleberger Hof - heute Kieler Stadtmuseum (Foto: Hanns Peter Blume)

Am Sartori-Berger-Speicher, wo die Landesbibliothek heute untergebracht ist und wo durch das Schuhmachertor, das hier stand, der Reisende vom Hafen her einst die Stadt betrat, nahmen wir jetzt Abschied von unserem kundigen Stadtführer, der uns während der langen Stadterkundung auf viele Einzelheiten hingewiesen hat, die wir ohne ihn nicht entdeckt hätten.
Auf dem Rückweg wurde noch ein kurzer Halt in Holtenau eingelegt. Bei kaltem Wind, aber herrlicher Spätnachmittagssonne ließen der alte Kanalschuppen, der Obelisk mit der Königskrone Christians VII. und die Bauten daneben noch etwas von der Stimmung aus der Zeit des ersten, des ”Schleswig-Holsteinischen Kanals” von 1782, nachempfinden.
Lorenz P. Wree

Kiel - Hafenstadt, Werftstandort, Universitätsstadt (Foto: Hanns Peter Blume)

Eine kleine Auswahl von Bildern zeigt, das die Exkursion nach Kiel bei bestem Wetter eine gelungene Fahrt war:
Am Kleinen Kiel (Foto: Hanns Peter Blume)

Altar der Nikolaikirche (Foto: Hanns Peter Blume)

Das ehemalige Kieler Franziskanerkloster (Foto: Hanns Peter Blume)

Die Forstbaumschule (Foto: Hanns Peter Blume)

Denkmal für Kaiser Wilhelm I. (Foto: Hanns Peter Blume)


Verantwortlich für diese Seite Frank Lubowitz