| Bericht von der Generalversammlung am 12. Februar 2011 | Der Vorsitzende der HAG, Lorenz Peter Wree, begrüßt die Gäste (Foto: Volker Heesch) |  |
Im Mittelpunkt der Generalversammlung der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig stand der Vortrag zum deutsch-dänischen Schicksalsjahr 1864 von Gerd Stolz, Kiel. In seinem Vortrag betonte Stolz, dass die Auseinandersetzung von 1864 nicht ein deutsch-dänischer Krieg war; er wandte sich im Vortrag gegen Geschichtsirrtümer und falsches Gedenken. Der Kieler Autor und Fachmann in Sachen Schleswigsche Kriege des 19. Jahrhunderts nutzte seinen Vortrag über den »in seinen Tatsachen weitgehend bekannten Krieg«, der »wie jeder Krieg Tod und Leid über das Land gebracht« hatte, zu einer Klarstellung, ob es sich 1864 um den deutsch-dänischen Krieg gehandelt hat, an den bei den alljährlichen Gedenkfeiern am 18. April, dem Tag der Erstürmung der Düppeler Schanzen durch preußische Soldaten, heute »die Gegner von einst« erinnern. Angesichts der im Bewusstsein der meisten Zeitgenossen verkürzten Vorstellung vom Konflikt des Jahres 1864 müsse klargestellt werden, »wer gegen wen und warum eigentlich« gekämpft hat. So erläuterte Stolz, dass in der ersten Phase des Konfliktes 1863 der Deutsche Bund, in dem seit dem Wiener Kongress 35 ganz unterschiedliche Staaten vereint waren, Stellung zum Problem Schleswig-Holstein bezogen hatte, das mit der dänischen Novemberverfassung von 1863 neu entflammt war und wegen des Verstoßes gegen das von Großmächten garantierten Londoner Protokolls zur »Bundesexekution« führte. Stolz wies darauf hin, dass Holstein und Lauenburg zum deutschen Bund gehörten, nicht jedoch das Herzogtum Schleswig, das bis 1867 nie deutsches Staatsgebiet gewesen war. Der Referent berichtete, dass sächsische und hannoversche Truppen den militärischen Einsatz in Holstein und Lauenburg durchgeführt hatten, der formell bis Dezember 1865 dauerte, aber nach den Operationen Preußens und Österreichs in Schleswig 1864 bedeutlungslos geworden war. »In Dänemark hatte man Bismarck und den Ernst der Lage unterschätzt«, so Stolz, der auf die Taktik des preußischen Ministerpräsidenten verwies, die übrigen Großmächte aus dem Krieg herauszuhalten. »Der Deutsche Bund hat keinen Krieg gegen Dänemark geführt«, so Stolz und verwies darauf, dass die öffentliche Meinung in Deutschland zwar die Forderungen der Schleswig-Holsteiner unterstützte, aber nicht mit dem Vorgehen Preußens und Österreichs einverstanden war. Während die kleinen und mittelgroßen Staaten im Deutschen Bund für ein unabhängiges Herzogtum oder Großherzogtum Schleswig-Holstein eintraten, ging es Preußen mit gut gefüllter Staatskasse darum, sich Territorien an Nord und Ostsee zu sichern. »Österreich ist Bismarck in die Falle gegangen«, so der Autor und wies auf den nächsten Krieg 1866 hin, bei dem es Preußen gelang, Österreich aus Deutschland herauszudrängen. Stolz ging auf die Fragwürdigkeit des heutigen deutsch-dänischen Gedenkens am 18. April ein, an dem inzwischen in Sachsen stationierte Soldaten der Bundeswehr teilnehmen. »Weder war die heutige Bundesrepublik Deutschland Gegner der Dänen, noch war das Territorium der heutigen Bundeswehrsoldaten, 1864 das Königreich Sachsen, an dem Krieg beteiligt«, betonte er und warb dafür, an den freiwilligen humanitären Einsatz während des Krieges von 1864 zu erinnern, der in die Entstehungsphase des Internationalen Roten Kreuzes fiel.
 | Gerd Stolz, Kiel, stellte sein Buch zu 1864 vor (Foto: Volker Heesch) |  |
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