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Aktuelle Nachrichten

vom Nordschleswiger - der deutschen Tageszeitung in Dänemark

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Kirche und Religion

Die kirchliche Arbeit in der deutschen Minderheit kennt 2 verschiedene Strukturen:
Die Nordschleswigsche Gemeinde sowie die Stadtgemeinden der dänischen Volkskirche mit ihren deutschen Gemeindeteilen.


Die Nordschleswigsche Gemeinde (NG)

Die NG ist geprägt durch eine synodale Leitung – der Kirchenvorstand wird von einem Laienvorsitzenden geleitet. Die Kirchenvertretung wählt diesen Laienvorsitzenden auf 6 Jahre. Derzeitiger Vorsitzender ist Karl-Jürgen Höft.

Die Kirchenvertretung setzt sich mit Entscheidungen bezüglich der Gemeinde auseinander und besteht aus allen Kirchenvertretern der 5 Pfarrbezirke.
Der Kirchenälteste stammt ebenfalls aus ihren Reihen und vertritt, gemeinsam mit dem Pastor, den Pfarrbezirk im Kirchenvorstand der NG.

Die Pastoren und Pastorinnen der NG entstammen der Nordelbischen Kirche und wurden für die Arbeit in Nordschleswig beurlaubt. Sie unterliegen der geistlichen Aufsicht des Bischofs in Schleswig. Dessen Dienstaufsicht hat er der Seniorin übertragen, welche auch die Leitung des Konvents beinhaltet, welches sich monatlich trifft. Hier werden u.a. die Vertretungen geregelt.

Die Arbeit der Pastoren und Pastorinnen umfasst die klassischen Gemeindearbeiten – wie Gottesdienste, Amtshandlungen, Seelsorge etc. Doch durch die enorme geographische Größe der Pfarrbezirke ist die Arbeit schwerlich mit den nordelbischen Verhältnissen zu vergleichen.

Ein Beispiel

Jeder Pastor oder Pastorin hat mehrere Predigtstellen, wobei die Gottesdienste mit dem jeweiligen Küstern, Organisten und teilweise auch mit den Kollegen aus der dänischen Gemeinde abgesprochen werden müssen.
Da die Nordschleswigsche Gemeinde keine eigenen Kirchen besitzt, ist man stets ein Gast, der Miete für die Nutzung der Kirche bezahlt und selbstredend auch keinen Kirchenschlüssel besitzt. So müssen selbst Proben (z.B. für das Krippenspiel) angefragt werden.
Jeder Gottesdienst ist demnach mit einer großen Organisationarbeit verbunden und es kommen schnell viele gefahrene Kilometer zusammen, um erst einmal zur Predigtstelle zu gelangen.


Gespräch mit der Seniorin Kirstin Kristoffersen

Auf dem Knivsbergfest ist immer viel los und jeder möchte gern dabei sein. Auch in diesem Jahr gab es wieder viele Informationsstände der Unternehmen und Einrichtungen aus der deutschen Minderheit.
Auch die Kirche war wieder mit von der Partie: Am Stand beim „Markt der Möglichkeiten“ kann man mit dem ein oder anderen Pastoren plaudern und sich über die Arbeit der Nordschleswigschen Gemeinde informieren. Den in der ‚Mulde‘ stattfindenden Gottesdienst am Sonntag gestaltete diesesmal Pastor Frank Menke (Bezirk Süderwilstrup).

„Das Knivsbergfest ist immer was besonderes, die Atmosphäre ist eine ganz andere“ berichtet Kirstin Kristoffersen (Pastorin/Seniorin aus Tingleff).

Seit 10 Jahren ist sie Pastorin in Nordschleswig, der Zufall hat sie hier her gebracht.

„Die Arbeit ist eigentlich die gleiche wie in Deutschland auch. Wir haben auch sozusagen den Kirchentag aus Deutschland adaptiert und eine kleinere Version dessen in Lögumkloster eingeführt.“

Jedes Jahr findet der ‚Kirchentag‘ unter einem anderen Motto statt.
„Wir haben bekannte Gastredner eingeladen, die uns ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vorlesen sollten. Einer davon war z.B. Stephan Kleinschmidt“.

Auch mit dem regulären Gottesdienst ist Kristoffersen recht zufrieden. „Prozentual haben wir einen guten Besuch und das soll auch so bleiben“.

Kirstin Kristoffersen auf dem Knivsbergfest




Die Stadtgemeinden der dänischen Volkskirche und ihre deutschen Gemeindeteile

15.000 Angehörige der deutschen Minderheit in Nordschleswig leben im Bereich der deutschen Gemeindeteile in den 7 Gemeinden der dänischen Volkskirche. In diesen 7 Gemeinden sind die deutschen Gemeindeteile mit eigenen Vertretern in den Kirchengemeinderäten vertreten.

Entsprechend der Absprachen mit der Nordschleswigschen Gemeinde und der Wahlfreiheit für die Angehörigen der Minderheit, werden auch im Bereich der Stadtgemeinden wohnende Mitglieder der NG und auf dem Land wohnende Volkskirchenmitglieder durch die Stadtpastoren mitversorgt.

Alle 4 Jahre finden die Wahlen der Kirchengemeinderäte statt. Diese geben eine Meldung ab, die eine grobe Schätzung über die Größe der deutschen Gemeindeteile zulässt.
Zu den Arbeiten der Stadtgemeinden gehören der regelmäßige Gottesdienst in deutscher Sprache, der Konfirmandenunterricht auf Deutsch, Zusammenarbeiten mit den deutschen Schulen, Kindergärten und Jugendfreizeiteinrichtungen, Gemeindenachmittage/- und abende, Ausflüge, Veranstaltungen und auch die Seelsorge. Amtshandlungen werden oft auch zweisprachig durchgeführt.

Die Pastorinnen und Pastoren sind in ihrer täglichen Arbeit auch ‚Brückenbauer‘ der deutsch-dänischen Zusammenarbeit. Der jährliche deutsch-dänische Konvent ist ein wichtiger Zusammentreff dieses Dialogs.

Bei gemeinsamen Aktivitäten aller nordschleswigschen Gemeinden, wie der Teilnahme am Knivsbergfest oder dem jährlichen Kirchentag in Lögumkloster, sind deutsche als auch dänische Pastoren und Pastorinnen beteiligt. Mit der gegenseitigen Vertretungen nehmen sie teil an der Gesamtverantwortung für die deutschsprachige Versorgung in ganz Nordschleswig.

Auch im Verein zur Förderung der Breklumer Mission mischt sich Land und Stadt. Traditionell ist hier ein Stadtpastor der Vorsitz, dessen Vertretung übernimmt ein Landpastor.
4 bis 5 mal im Jahr trifft sich der Stadtkonvent, bei dem sich die Stadtpastoren und Stadtpastorinnen der Beratung spezifischer Fragen widmen.




Gespräch mit der Apenrader Pastorin Anke Krauskopf

Wie glückliche Zufälle ein Leben ändern können, davon kann Anke Krauskopf, Pastorin in Apenrade, viel berichten. Nach jahrelanger Arbeit als evangelische Pastorin in kleinere Dorfgemeinden in Deutschland, kam sie vor 3 Jahren nach Dänemark.

„Als Kind war es natürlich nicht mein Wunsch, Pastorin zu werden. Das war eher Zufall“ berichtet sie. Durch ihre kirchen-interessierte Mutter kam sie der Kirche schon früh sehr nahe.
„Der Konfirmantenunterricht hat mir aber nicht so gefallen – er fand in einem düsteren, gruseligen Raum statt, aber die Geschichten der Bibel waren faszinierend“.

Konfirmiert wurde sie in den 70er Jahren. Durch den sehr angagierten Vikar der Gemeinde wollte die wissbegierige Jugendliche mehr über die kirchliche Arbeit erfahren und hinter die Kulissen schauen.

„Der Vikar hat sich sehr für die Jugend eingesetzt, hat regelmäßig Jugendgottesdienste und Ausflüge organisiert. Da habe ich entschlossen, ich möchte mehr über diese spannende Arbeit wissen.“

Nach der Schule entschied sie sich aus diesem Grund für ein Theologie-Studium und absolvierte ihre Examens-Prüfung in den 90ern in Kiel.

„Vor ein paar Jahren zog dann eine meiner engsten Freundinnen nach Schweden um dort als Pastorin zu arbeiten und ich dachte mir: Sie wagt echt den Sprung!“

Einige Zeit später traf Anke Krauskopf bei einer Fortbildung auf Kirstin Kristoffersen, die ihr von Norschleswig berichtete und wie toll die Arbeit dort wäre. Nicht viel Zeit zog ins Land, als Anke Krauskopf das kirchliche Amtsblatt durchblätterte und auf eine Stellenanzeige für Nordschleswig stieß.

„Ich dachte: Jetzt oder nie! Das war wie ein Wink des Himmels – also sprach ich mit meinem Mann darüber, bewarb mich und bekam die Stelle schließlich.“

Zu ihren üblichen Pastoratsaufgaben (wie Gottesdienst-Vorbereitungen und Sitzungen), übernimmt sie auch die Urlaubsseelsorge, steht Einwanderern hilfreich zur Seite und pflegt den Kontakt zu ihren dänischen Kollegen.

„Kein Tag ist hier wie der andere. Im Winter zum Beispiel haben wir Filmnachmittage und im Sommer habe ich Zeit einen Plan für die nächsten Monate auszuarbeiten – in Deutschland wäre das zeittechnisch undenkbar.“

Über die Besuchszahlen in den Gottesdiensten kann sich Anke Krauskopf jedenfalls nicht beschweren. „Wenn mal weniger einheimische Besucher beim Gottesdienst sind, sind dafür um so mehr Urlauber anwesend. Die Dänen nutzen die Sommermonate gern voll aus, deshalb kann es schon mal sein, dass sie die Kirche ausfallen lassen“ lacht Krauskopf.

Ob sie irgendwann mal wieder nach Deutschland zurückkehren möchte?
„Nein, eigentlich nicht. Ich bin froh über den tollen Job und mein schönes Leben hier. Für eine Rückkehr nach Deutschland wäre ich wohl schon zu alt.“

So schnell ginge das wohl auch nicht. Mit einer weiteren Pastorin plant Anke Krauskopf ein Projekt, wie sie verrät. Aber was genau, das bleibt noch geheim. Man darf also gespannt sein.

Hören wird man bis dahin sicherlich noch einiges von Anke Krauskopf, sei es im Gottesdienst oder aber man liest ihr „Wort zum Sonntag“ im Nordschleswiger...







Janette Sperling, August 2011


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