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Der Bericht über die Jahrestagung der HAG in der Akademie Sankelmark, 12./13. März 2011, "Kiel entdecken" folgt in Kürze

Kieler Stadtarchivar, Dr. Johannes Rosenplänter, eröffnete den Vortragsreigen unter dem Thema »Kiel entdecken!« während der Jahrestagung 2011 der Heimatkundlichen Ar-beitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) in der Akademie Sankelmark. Rosenplänter sprach dabei die allgemein verbreitete Haltung in Kiel an, dass es an Stolz auf die eigene Stadtgeschichte fehlt, das Stadtbild als wenig ansprechend selbst in der Touristikvermarktung ausgeblendet wird. Im Laufe seiner Ausführungen konnte Rosenplänter allerdings belegen, dass es viele interessante Aspekte in der Geschichte der im Mittelalter zunächst als namenlose »Stadt der Holsten« an der Förde gegründeten Siedlung gibt. Hinter dem Namen Kiel, so der Archivar, verberge sich der Name des Gewässers, der Förde, an der die Siedlung in einem zuvor slawisch geprägten Bereich Nordelbiens entstand. Kiel erhielt 1242 das Stadtrecht, in einer Periode einer Welle von Stadtgründungen im heutigen Schleswig-Holstein. »Seit der Gründung war Kiel Hauptort der Grafschaft Holstein«, so Rosenplänter und wies auf das Wirken Graf Adolf IV. von Holstein-Schauenburgs hin, der mit der Schlacht von Bornhöved 1227 die Herrschaft über das zuvor vom dänischen König Waldemar II. beherrschte Gebiet wiedergewonnen hatte.
Rosenplänter stellte an Projektionen des mittelalterlichen Stadtgrundrisses die planmäßige Anlage der Stadt im Bereich einer vom Fördearm »Kleiner Kiel« umgebenen Halbinsel vor, in deren nördlichen Bereich das aus einer Burg hervorgegangene Kieler Schloss lag.
Es wurde berichtet, dass Kiel zwar eine gelungene Stadtgründung durchlief, aber es nur zum Rang einer relativ unbedeutenden Hansestadt brachte, vor allem wegen eines schlechten Anschlusses an das überregionale Straßennetz. Allerdings spielte Kiel lange eine wichtige Rolle als »Geldmarkt« in den Jahrhunderten, in denen es noch keine Banken gab. Auf dem Kieler Umschlag versorgte man sich überregional mit Kapital. Es wurde dort jeweils acht Tage nach dem Dreikönigsfest im Januar Geld verliehen, Zinsen bezahlt und Schulden beglichen. »Man kam mit Säcken voller Geld zum Kieler Umschlag«, berichtete Rosenplänter über das auch mit einem Jahrmarkt verbundene Ereignis, das bis heute als Volksfest exis-tiert.
Kiel war eine Handwerkerstadt, entwickelte sich aber auch zu einem Mittelpunkt des Schleswig-holsteinischen Adels. Das trug deren interne Konflikte zum Verdruss der Bürger in die Stadt, über deren vielen Untaten Bürgermeister Asmus Bremer eine Chronik verfasste. Eine Rolle spielte auch die Lage als Grenzstadt eben südlich der deutsch-dänischen Reichsgrenze, die auch die Grenze zwischen Holstein und Schleswig bildete. Nach der Landesteilung 1544 fiel Kiel an den Gottorfer Herzog Adolf, der seinen Sitz in Schleswig hatte, und war damit bis zu dessen kompletten Einverleibung in den dänischen Gesamtstaat 1773 Teil des Schleswig-Holstein-Gottorfer Staatswesens. Seit der Abwendung der Herzöge von Dänemark während des 30-jährigen Krieges liefen Bemühungen zur Gründung einer eigenen Universität des Staates. Herzog Friedrich III., der seinen Staat zu einem kulturellen Zentrum ausbaute, erhielt 1652 ein kaiserliches Privileg zur Gründung einer Universität – die deshalb auf Reichsgebiet liegen musste. Kiel erfüllte dazu die Voraussetzungen, weshalb der Nachfolger Friedrichs III. die Landesuniversität, be nannt nach dem Herzog, als Christian-Albrechts-Univer sität 1665 in Kiel gründete – untergebracht in einem frü heren Franziskanerkloster. 140 Studenten sowie eine Handvoll Professoren waren in der Anfangsphase an der Universität, die im 18. Jahrhundert aber eher an Bedeutung verlor, bevor das u. a. im für den schwedischen Verbündeten Gottorfs unglücklichen Verlaufs des Nordischen Kriegs (1700-1721) zunehmend zu sammenschrumpfende Gottorfer Staatswesen erfolgreich auf die »russische Karte« setzte. Herzog Carl Friedrich heiratete die Tochter Zar Peter des Großen, Anna Petrowna. Deren einziger Sohn Carl Peter Ulrich wurde von der seit 1741 regierenden russischen Zarin Elisabeth zum Thronfolger ernannt. Der Gottorfer Herzog wurde als Peter III. 1762 Zar – fand aber bereits nach einem halben Jahr den Tod, was seine Ehefrau Katharina II. auf den Zarenthron hob und dem Gottorfer Ministaat bis zum Tauschvertrag von Zarskoje Selo und der Abtretung an Dänemark noch eine letzte »russische« Blütezeit bescherte. Die Perspektive der 6.000-Einwohnerstadt als »Filiale« einer Großmacht dauerte nur kurz an. Es wurde aber u. a. 1768 noch ein neues Universitätsgebäude errichtet.
In der Aussprache berichtete Rosenplänter, dass es zur frühen Geschichte Kiels bis ca. 1650 wenige Dokumente gebe. Das Archivgut wurde während des 2. Weltkrieges nach Putlitz in Brandenburg gebracht, wo nach Eroberung des Ortes durch die Sowjettruppen ein Teil des Materials, bis zu 50 Prozent, verloren gingen.

Bedeutende Kulturstadt Kiel
Dr. Telse Wolf-Timm stellte Wirken bedeutender Künstler in Periode 1773 bis 1867 vor Sankelmark – hee. Mit ihrem durch zahlreiche Lichtbilder illustrierten Vortrag »Kunst und Künstler in Kiel: ein kultureller Mittelpunkt im Norden 1773-1867« machte die Kieler Kunsthistorikerin Dr. Telse Wolf-Timm die Teilnehmer der HAG-Jahrestagung 2011 in Sankelmark mit der Bedeutung der Stadt Kiel als Tätigkeitsfeld bedeutender Künstler und Wohnsitz vor allem adliger Kunstfreunde während der Zugehörigkeit des Ortes zum dänischen Gesamtstaat bekannt.
Telse Wolf-Timm berichtete, dass bereits in der kurzen Blütezeit Kiels, in der »russischen« Phase, als der in Kiel geborene Gottorfer Herzog Karl Peter Ulrich den russischen Zarenthron bestieg bzw. nach dessen Tod Zarin Katharina II., Werke z. b. des späteren dänischen Vigilius Erichsen nach Kiel gelangten. Sie stellte auch auch die Tätigkeit des Ingenieurs Ernst Georg Sonnins für den ab 1762 angestrebten Mini-Musterstaat um Kiel vor, der das Kieler Universitätsgebäude errichtete. Bekannt ist er vor allem als Erbauer der Hamburger Michaeliskirche.
Sie berichtete über Kunstwerke im 1944 zerstörten Stadthaus des Beraters Ka-tharina der Großen, Caspar von Saldern, der auch Herr auf Gut Schierensee war.
Zahlreiche Werke bedeutender Maler, wie Jens Juel, Kopenhagen, wurden für holsteinische Adlige in und um Kiel gefertigt. Sie gelangten vielfach ins 1878 gegründete Thaulow-Museum in Kiel, dessen Bestand – das Museum wurde im Krieg zerstört – heute vor allem im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum zu sehen ist.
Als Beispiele für Kunstwerke des im Bereich Kiels ansässigen Adels stellte Telse Wolf-Timm Malereien im Auftrag des dänischen Finanzministers Schimmelmanns vor. Dessen Tochter Julia, bekannt als Gattin des Adligen Fritz Reventlow, Emkendorf, wurde auch von Jens Juel porträtiert. Wolf-Timm berichtete, dass das realistische Bildnis den Auftraggebern offenbar nicht gefallen hatte. Sie konnte ein weiteres Bild der als »schöner Seele« bekannten Figur im Mittelpunkt des Emkendorfer Kreises präsentieren, das Julia – gemalt von Angelica Kauffmann in Rom – ausdruckstark mit dem Betrachter in Verbindung treten lässt.
Auch wurde Inventar aus dem Besitz der vorgestellten Adligen erläutert, die nicht nur Werke berühmter Kopenhagener Maler erwarben, sondern auch Bilder Kieler Maler kauften, die bis 1848 überwiegend an der Kopenhagener Akademie ausgebildet wurden.
Auch die Entdeckung der »heroischen Landschaft« um Kiel im 19. Jahrhundert, Einzug neuer Gartengestaltung und die Gründung des Kieler Kunstvereins 1843 erwähnte die Kunsthistorikerin, die an zahlreichen Ausstellungen in Kiel mitgearbeitet hat.
Interessant die Bedeutung des Kieler Universitätszeichenlehrers Theodor Rehbenitz, dessen Selbstporträt als »Gesicht der Romantik« berühmt ist.

Kiels Universitätsmilieu lieferte Ideen für bürgerlichen Aufruhr in Schleswig-Holstein Dr. Martin Rackwitz stellte die relativ kleine Stadt Stadt als geistiges und politisches Zentrum 1773-1867 vor Sankelmark – hee. Kiel war zu Beginn der Zugehörigkeit der nur von 5.500 Einwohnern bewohnten Stadt zum dänischen Gesamtstaat Ende des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich weit unbedeutender als z. B. Flensburg oder Lübeck. Dennoch sollte die Stadt, die ihren Status als Residenz- und Regierungsstadt mit dem Ende des Gottorfer Staatswesens eingebüßt hatte, in den folgenden fast 100 Jahren große Bedeutung für die Landesgeschichte und das deutsch-dänische Verhältnis bekommen. Das berichtete der Kieler Historiker Dr. Martin Rackwitz in seinem Vortrag »Kiel als geistiges und politisches Zentrum der Herzogtümer 1773-1867« im Rahmen der Tagung 2011 der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig (HAG) in der Akademie Sankelmark.
Neue wirtschaftliche Impulse gingen vom Bau des Eiderkanals 1777 bis 1784 aus, der mit seiner Einmündung in die Kieler Förde deutlich mehr Schiffsverkehr auch in Kiel brachte. Nach wechselvoller Wirtschaftsentwicklung wäh-rend der Herrschaft Napoleons und Einquartierung von 6.000 Soldaten der schwedisch-preußisch-rus-sischen Heere 1813/1814 sorgte die Eröffnung der ersten Eisenbahn im dänischen Gesamtstaat von Kiel nach Altona 1844 für neue Impulse.
Rackwitz betonte, dass vor allem die Universität in Kiel, deren Lehrkörper und Studenten von freiheitlichem Nationalstaatsdenken ausgehend von der Französischen Revolution erfasst worden waren, den Ort prägte. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lieferten Professoren wie der aus Wismar stammende Dahlmann den Nährboden für die deutschgesonnenen Schleswig-Holsteiner gegen das parallel aufkommende Eiderdänentum. Als Se-kretär der schleswig-holsteinischen Ritterschaft schuf Dahlmann nach 1815 auf der Basis des Ripener Vertrags von 1460 das »politische Glaubensbekenntnis« der Schleswig-Holsteiner mit einem Anspruch auf Sonderrechte. Rackwitz stellte Kieler Geschichtsprofessoren wie Michelsen und Droysen vor, die an der Gründung einer Gesellschaft für schleswig-holsteinische Geschichte 1833 bzw. 1843 mit einer Gedenkveranstaltung 1843 (1.000 Jahre Vertrag von Verdun) deutsches Nationaldenken propagierten. Als Teil der Vorgeschichte der schleswig-holsteinischen Erhebung erläuterte der Kieler Historiker die Förderung »ständeübergreifender« Aktivitäten in Kiels Turn- und Gesangvereinen oder geselligen Zu-sammenkünften, die auch den im dänischen Gesamtstaat vorhandenen »Obrikeitsstaat« in Frage stellten. »Alle gesellschaftlichen Schichten waren vertreten, mit Ausnahme von Adel und Klerus«, so Rackwitz, der auch auf die Bedeutung des in Kiel im Zuge des bürgerlichen Aufruhrs gegen die dänische Monarchie ver-fassten schleswig-holsteinischen Staatsgrundgesetzes hinwies, das erstmals bürgerliche Grundrechte enthielt. In Schleswig-Holstein war man weiter als in der nie in Kraft getretenen Verfassung der Frankfurter Na-tionalversammlung 1849. »Die in Kiel notierten Grundrechte waren noch Vorbild für die Weimarer Verfassung und für das Grundgesetz der Bundesrepublik von 1949«, so Rackwitz, der auch daran erinnerte, dass nach der Niederlage der Schleswig-Holsteiner 1850 zahlreiche Kieler Professoren von der wiederhergestellten dänischen Herrschaft in die Emigration getrieben wurden.
Rackwitz schloss seinen Vortrag mit Erklärungen zur Besetzung der Stadt durch Truppen des Deutschen Bundes 1863 bis hin zur Inkorporation der Herzogtümer in den preußischen Staat 1867. Er berichtete, dass Kiel bis zum Krieg 1866 vorübergehend geteilt war – zwischen Preußen und Österreich.


1867-1914 wuchs Kiel um 200.000 Einwohner Prof. Peter Wulf stellte Weg zur Großstadt vor Kiel – hee. In seinem Vortrag »Kiel auf dem Weg zur Großstadt: Chancen und Rückschläge« führte Prof. Dr. Peter Wulf, Gettorf, u. a. Fachmann für schleswig-holsteinische Wirtschaftsgeschichte, die Teilnehmerschaft der HAG-Jahrestagung in Sankelmark durch die von einem atemberaubenden Wachstum der Stadt und einer umfassenden Kriegszerstörung im Zweiten Weltkrieg geprägten Geschichte Kiels im Zeitraum 1867 bis 1945. Der Historiker erinnerte daran, dass sich Kiel wie Schleswig-Holstein insgesamt 1867 nur widerwillig mit dem neuen Status als preußische Untertanen abfinden wollten. Vor allem die dreijährige Wehrpflicht wurde nur ungern hingenommen.
Die Stadt durchlief nach der Bestimmung zur Marinestadt – 1867 hatte sie 24.000 Einwohner – bis 1914 ein atemberaubendes Wachstum hin zu einer Einwohnerzahl von 225.000. Wulf berichtete über an-fänglich planloses Wachstum, das aber rasch von geplantem »sozial verträglichen« Ausbau abgelöst wurde, mit zahlreichen Eingemeindungen. Nachdem auch Proteste gegen Straßen in einem »öden«, zugigen Schachbrettsystem laut geworden waren – eine Art Stuttgart 21, wie Wulf feststellte, – sorgte Baurat Stübben aus Köln für mo-dernere Stadtentwicklung mit Citybereich, Ringstraßen, Hoch- und Flachbauzonen. Es gab eine Ansiedlung von Werften samt Zulieferbetrieben neben umfangreichen Militäranlagen, was Kiel nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg, Matrosenaufstand und Revolution 1918 und der folgenden weitgehenden Demilitarisierung in schwere Krisen stürzte. Bemühungen, die Stadt zu einer zivilen Drehscheibe des Ostseehandels zu machen, hatten nur wenig Erfolg. Bemerkenswert die Neubauten mit grünem Umfeld und sozialem Charakter in den 1920ern, wie Wulf erläuterte. Schön sei die Stadt aber nie geworden. Ab 1933 setzte eine neue Phase der Aufrüstung in Kiel ein – mit Vorbereitung auf einen Luftkrieg, der nach Entfesselung des Zweiten Weltkrieges 1939 zwar »nur« 2.900 Tote in Kiel forderte, aber bis zum letzten verheerenden Luftangriff am 2./3. Mai 1945 die Stadt in Schutt und Asche versinken ließ.
Kommunale Außenpolitik im Nachkriegs-Kiel Timo Erlenbusch sprach bei HAG-Tagung über Kiels Wiederaufbau unter Oberbürgermeister Andreas Gayk und Friedenseinsatz Kieler Woche Sankelmark – hee. In der Landeshauptstadt Kiel, die als Marinestadt im Zweiten Weltkrieg schwer zerbombt worden war, hat sich nach 1945 mehr als ein Wiederaufbau mit typisch-tristen Zweckbauten der 1950er Jahre abgespielt. Der Kieler Historiker und wissenschaftliche Mitarbeiter am Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum, Timo Erlenbusch, machte die Teilnehmer der Jahrestagung der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft in der Akademie Sankelmark in seinem Vortrag über den Neubeginn der von der britischen Besatzungsmacht zur Landeshauptstadt erkorenen Stadt mit zahlreichen in Vergessenheit geratenen spannenden Kapiteln der Stadtgeschichte bekannt.
Zu den interessanten Phasen zählte die Kieler Woche bis Mitte der 50er Jahre, als der legendäre Oberbürgermeister Andreas Gayk (SPD), an Vorkriegskontakte an-knüpfend, Politiker vor allem aus Nordeuropa nach Kiel holte und während der Kieler Woche »kommunale Außenpolitik« mit friedensfördernden Begegnungen deutscher und ausländischer Politiker betrieben wurde, als es in Bonn vor Wiedererlangung der Souveränität noch kein Außenministerium gab.
So berichtete Erlenbusch über eine komplette Räumung der Trümmer unter Leitung des britischen Besatzungsoffiziers William Williams in der Zeit von Andreas Gayk. Williams stammte aus Coventry, der von der Nazi-Luftwaffe schwer zerstörten englischen Stadt – was wohl entscheidend war, dass bereits 1946/47 die Städtepartnerschaft Kiel-Coventry eingeleitet wurde. Die erste Freundschaft zwischen deutschen und britischen Städten nach dem Krieg.
Erlenbusch berichtete, dass die heute oft negativ betrachtete Wiederaufbauplanung in Kiel nach dem Krieg als vorbildlich galt. So konnte der städtische Bauplaner Herbert Jensen nach einem Karrieresprung in München seine Tätigkeit fortsetzen. Typisch für Kiel war die Schaffung vieler Freiflächen, die bepflanzt wurden, sogenannte Gayk-Flächen. Jensen wird der Satz nachgesagt, »endlich konnte ich so bauen, wie ich wollte«, die Bomben hatten den Weg frei gemacht.
Der Historiker, der an einer Dissertation zum Thema Städtepartnerschaften arbeitet, berichtete auch über die großen Leistungen in Kiel, die auf das Militär ausgerichtete Industrie auf Friedenproduktion umzustellen. Das spiegelte sich im Sortiment der Firmen Elac, Hagenuk und Hell wider, die auch Neuerungen wie Echolote und Kreiselkompasse für die Zivilschifffahrt auf den Markt brachten.
Die Werftindustrie erlebte erst Mitte der 1950er Jahre einen gewaltigen Boom, denn bis 1950 wurden noch Demontagen und Sprengungen in den einstigen Rüstungsschmieden vorgenommen. Es gab dagegen auch Demonstrationen in Kiel. Erlenbusch berichtete, dass als Erstes wieder kleine Fischdampfer mit zwölf Knoten Spitzenfahrt gebaut werden durften. Als Umbauten erlaubt wurden, tauchte 1949 der griechische Reeder Aristotelis Onassis auf und ließ in Kieler Werften Kriegsschiffe in Walfangschiffe umbauen. Später folgten Aufträge für die Howaldt-Werft für erste Supertanker des Milliardärs, der auch seine berühmte Luxusjacht »Christiana« in Kiel aus einem Kriegsschiff bauen ließ.
Erlenbusch berichtete auch über Werftarbeiterstreiks, in denen es 1956 um heute selbstverständliche Leistungen wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ging.
Auch über Rivalitäten mit der DDR bei Städtepartnerschaften ging es. Mit Stasi-Gästen bei Visiten in Stralsund und erster vorsichtiger Partnerschaft mit Tallinn, das in den 1970ern Kieler Olympiahafenpläne von 1972 »kopieren« durfte.
Volker Heesch



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