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Die Haderslebener Erklärung vom 11. November 1943 wieder aufgefunden


Ein zentrales Dokument zur Geschichte des BDN befand sich unter Familienarchivalien im Hause Prahl in Hadersleben. Es war mehrfach vergeblich danach gesucht worden.

Am 22. November 1955 veröffentlichte der Nordschleswiger unter dem Titel „Vor 10 Jahren wurde der Bund gegründet“ einen längeren Artikel, in den ein Beitrag eingerückt war, den Ernst Siegfried Hansen „Die verloren geglaubte Niederschrift – Prinzipien, die der „Haderslebener Kreis“ am 11. Nov. 1943 festlegte“ überschrieben hatte. Der Text dieser im Nachhinein als „Haderslebener Erklärung“ bezeichneten Niederschrift von Pastor Friedrich Imanuel Prahl (1885 – 1969) findet sich also gedruckt im Nordschleswiger vom 22. Nov. und zwei Jahre später erneut wiedergegeben in Ernst Siegfried Hansens Buch „Disteln am Wege – Von der Besetzung Dänemarks bis zu den Bonner Erklärungen“.

Ernst Siegfried Hansen schrieb 1957 über das Treffen des „Haderslebener Kreises“ vom 11. November 1943, „… die Niederschrift darüber, an die er [Pastor Prahl] sich erinnerte, schien verschollen zu sein. Erst viel später fand er sie wieder und übergab sie mir zur Veröffentlichung“ – eben im Nordschleswiger vom 22. November 1955. Wohin kam das Dokument aber nachdem es von Ernst Siegfried Hansen veröffentlicht worden war?

Je mehr das Interesse der Geschichtsschreibung sich – vor allem in den letzten 25 Jahren – dem Haderslebener Kreis zuwandte, desto häufiger und drängender wurde die Frage nach der handschriftlichen Niederschrift von Pastor Prahl gestellt, insbesondere von der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig, als sie das Archiv der deutschen Volksgruppe errichtete.

Im Familiennachlaß Prahl, der bereits 1967 der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig geschenkt worden war und sich seit 1979 verzeichnet im Archiv befindet, war diese Niederschrift nicht vorhanden. Auch spätere Nachfragen von Arthur Lessow und Ilse Hansen führten zu keinem Ergebnis.

In die Akten des Bundes Deutscher Nordschleswiger war das Dokument ebenfalls nicht gelangt. Andere Ablageorte wurden geprüft, brachten aber ebenfalls kein Ergebnis. Das 1955 bei Ernst Siegfried Hansen kurz aufgetauchte Dokument war wieder verschwunden und konnte historisch nur über die Veröffentlichung im Nordschleswiger und in „Disteln am Wege“ genutzt werden. Die authentische, mit dem Datum versehene Niederschrift in der markanten Handschrift Friedrich Prahls fehlte.

Ein ganz anderer Zusammenhang, nämlich eines Frage zukünftigen Verbleib des Studierzimmers von Pastor Friedrich Prahl führte die emeritierten Pastoren Dr. Günter Weitling und Lorenz P. Wree, den Vorsitzenden der Heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft für Nordschleswig, gemeinsam mit dem Leiter des Archivs und der Historischen Forschungsstelle zu Pastor Prahls Sohn Gerhard Prahl nach Hadersleben. Im Verlauf des Gesprächs kam Gerhard Prahl auf eine kleine Anzahl von Mappen mit Predigten und anderen Dingen seines Vaters zu sprechen, die er praktisch kaum in der Hand gehabt und nie geöffnet hatte: Diese Mappen könnten doch eigentlich zum Nachlaß ins Archiv, meinte er.

Noch bei der schnellen Durchsicht am Kaffeetisch in Hadersleben fiel sofort ein Bogen Kanzleipapier mit Pastor Prahls Handschrift auf: Er trug das Datum 11. November 1943. Angeheftet war der Zeitungsausschnitt aus dem Nordschleswiger vom 22. November 1955. Die Handschrift beginnt mit dem Satz: „Als deutsche Männer, die an ihrem Volkstum und ihrer Kultur unter allen Umständen festhalten, bekennen wir uns zur demonkratischen Staatsform. …“

Die Niederschrift der Haderslebener Erklärung vom 11. November 1943


Die Sensation war perfekt; die Niederschrift der „Haderslebener Erklärung“ vom 11. November 1943, die 1955 kurz aufgetaucht und danach verschwunden und immer wieder gesucht worden war, ist aufgetaucht. Von Gerhard Prahl wurde dieses Dokument dem Archiv der deutschen Volksgruppe übergeben. Die Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Diese Erklärung des Haderslebener Kreisen legte bereits mitten im Zweiten Weltkrieg und unter den Bedingungen der deutschen Besetzung Dänemarks die Grundlage für eine demokratische Orientierung der deutschen Volksgruppe, an dem der Haderslebener Kreis zwei Jahre später an entscheidender Stelle bei der Gründung des Bundes Deutscher Nordschleswiger beteiligt sein sollte.

Für die Geschichte des Bundes Deutscher Nordschleswiger nimmt die Haderslebener Erklärung vom 11. November 1943 neben dem Gründungsprotokoll des Bundes vom 22. November 1945 eine zentrale Rolle ein. Der Inhalt der Niederschrift aus dem Jahre 1943 war bekannt, aber den Verbleib der Niederschrift nach 1955 trotz mannigfacher Suche nicht nachvollziehen zu können, war unbefriedigend. – Das Archiv der deutschen Volksgruppe freut sich, dieses Dokument nunmehr in seinen Beständen zu haben.

Gerhard Prahl, der Sohn von Pastor Friedrich Prahl (auf dem Foto im Hintergrund), übergibt die Niederschrift dem Leiter des Archivs Frank Lubowitz

Mit einem erläuterndem Text und der Transkription der Handschrift ist die Haderlebener Erklärung in der Halle des Hauses "Nordschleswig" in Apenrade ausgestellt. Gerhard Prahl hat diese Ausstellung in Augenschein genommen und wurde bei der Gelegenheit vom Generalsekretär des BDN, Peter Iver Johannsen, begrüßt.

Peter Iver Johannsen, Gerhard Prahl, Frank Lubowitz


Verantwortlich für diese Seite Frank Lubowitz