Die Deutsche Volksgruppe
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Aktuelle Nachrichten

vom Nordschleswiger - der deutschen Tageszeitung in Dänemark

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Identität – Regional und international

Heute hat die deutsche Volksgruppe als Zielsetzung, selbstbewusst die deutsche Sprache, ihre besondere deutsche Kultur in Nordschleswig und ihre historische Identität zu bewahren – in einer offenen Zusammenarbeit zum Wohle des ganzen Landesteils.
Anders als 1920 hat die deutsche Volksgruppe sich nach 1945 nicht isoliert, sondern sich im Gegenteil der dänischen Umwelt gegenüber geöffnet und ist heute in die dänische Mehrheitsbevölkerung integriert. Integration darf dabei aber nicht Assimilation bedeuten. Es geht darum, die richtige Balance zwischen Wahrung der eigenen Identität und der notwendigen Integration in die Gesellschaft zu definieren und zu finden.
Trotz des Assimilationsrisikos gibt es kein Zurück. Die Öffnung gegenüber der Mehrheitsbevölkerung, aber auch gegenüber der Welt, ist heute Bestandteil des Selbstverständnisses der deutschen Nordschleswiger. Sie sind beides: in der Heimat und im Regionalen verwurzelt und in der Welt keine Fremden. Sie leben in einer internationalen Gemeinschaft, aber auch im kleinen Nordschleswig. Als Minderheit fühlen sie sich durch ihre Mehrsprachigkeit näher an der internationalen Gemeinschaft als andere.
Denn Mehrsprachigkeit ist nicht nur ein Kommunikationsvorteil, sondern über die Sprache erschließen sich auch andere Kulturen. Jugendliche aus Minderheiten sind es von Kindesbeinen gewohnt sich in verschiedenen Kulturen zu bewegen und deshalb auch von Anfang an sensibilisiert für die Aufnahme von Eindrücken und Werten aus anderen Kulturen. Sie sind weltoffen und international orientiert und tragen dazu bei, ein Klima der Toleranz und der Akzeptanz auf allen Ebenen des politischen und gesellschaftlichen Lebens zu fördern. Sie unterstützen im Alltag den Anspruch der Minderheit auch eine Brückenfunktion zwischen Deutsch und Dänisch, zwischen Deutschen und Dänen wahrzunehmen.
Von großer Bedeutung ist auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Sie ist in den letzten Jahren, unter anderem durch die Bildung der Region Sønderjylland-Schleswig, erfreulicherweise stark intensiviert worden. In dieser grenzüberschreitenden Zusammenarbeit ist die deutsche Volksgruppe immer antreibende Kraft gewesen. Dieses hat auch dazu geführt, dass der BDN einen festen Sitz im Regionalrat hat.
Die deutsche Volksgruppe begrüßt die europäische Integration und ist immer eingetreten für ein Europa der Vielfalt, das nationale und kulturelle Identitäten respektiert. Erst in einem Europa, in dem der Nationalstaatsgedanke an Bedeutung verliert, werden die Minderheiten an der Gleichberechtigung teilhaben. In den letzten Jahren, insbesondere nach dem Umbruch in Osteuropa, haben Minderheitenfragen in Europa an Bedeutung stark zugenommen.
Die deutsch-dänische Minderheitenregelung wird immer wieder als Vorbild herangezogen und ist auf höchster Ebene bei der KSZE und anderen internationalen Konferenzen einbezogen worden. Im Rahmen der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV) arbeitet die deutsche Volksgruppe in Nordschleswig mit, nicht zuletzt um die minderheitenpolitischen Erfahrungen des deutsch-dänischen Grenzlandes einzubringen. Das deutsch-dänische Minderheitenmodell kann zwar nicht direkt in andere Gebiete „exportiert” werden, weil die Voraussetzungen dort ganz andere sind, aber man kann zeigen, wie man Kultur, Sprache und Identität pflegen kann, wie man miteinander umgeht und wie man Respekt und Vertrauen zwischen Mehrheit und Minderheit schaffen kann. Das alles sind wesentliche Voraussetzungen für ein gutes Klima zwischen Mehr- und Minderheiten.

Zukunft

Die Rahmenbedingungen für eine gedeihliche Weiterentwicklung der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig sind gegeben. Die deutsche Volksgruppe wird aber nur dann eine Zukunft haben, wenn es den deutschen Nordschleswigern gelingt, so starke innere Integrationskräfte zu entwickeln, dass die Volksgruppe auch weiterhin zusammenhält, und wenn die heranwachsende junge Generation bereit ist, sich für die Werte deutscher Tradition, deutscher Sprache und Kultur in ihrer nordschleswigschen Heimat einzusetzen.
Die Schulen müssen den Kindern und Jugendlichen behilflich sein bei ihrer Identitätsfindung. Identität heißt zu wissen, wer man ist und wo man herkommt. Der weitere Bestand der Volksgruppe wird davon abhängig sein, ob es gelingt, ein Gemeinschaftsgefühl zu erhalten und zu fördern.
Von größter Wichtigkeit ist außerdem dafür zu sorgen, dass in Zukunft genügend Ausbildungs- und Arbeitsplätze in Nordschleswig vorhanden sind, um der jungen Generation zu ermöglichen, in ihrer Heimat zu bleiben bzw. in sie zurückzukehren.
Heimatgefühl ist im übertragenen Sinne das Gefühl der Geborgenheit und der Vertrautheit. Nur wer sich geborgen fühlt, fühlt sich sicher. Und Sicherheit ist für jeden Menschen eine wichtige Voraussetzung, ein normales, ein gesundes leben zu führen. Unsicherheit macht krank, macht aber auch anfällig für kranke Ideen und Werte.
In einer Zeit, in der es keine absoluten Werte mehr gibt; ist es wichtig, ein Heimatgefühl zu erhalten und damit den Menschen, die sich der deutschen Volksgruppe zugehörig fühlen, die Sicherheit und das Selbstverständnis in ihrem Alltag geben können.
Vor diesem Hintergrund tritt der Bund Deutscher Nordschleswiger für eine Minderheitenpolitik ohne Überheblichkeit, aber auch ohne Minderwertigkeitskomplexe ein.


Verantwortlich für diese Seite Harro Hallmann