Willkommen bei der deutschen Minderheit in Dänemark

Animo Nordic
Der Bismarckturm auf dem Knivsberg wurde 1945 gesprengt; die Spitzte kann im Deutschen Museum in Sonderburg besichtigt werden.

Kurze Geschichte der deutschen Minderheit

 

Die Identität der deutschen Nordschleswiger entspringt der regionalen Verwurzelung in einer Landschaft, die über Jahrhunderte sowohl dem dänischen Einfluss von Norden als auch deutschem Einfluss ausgesetzt war.

Im Herzogtum Schleswig traf sich über Jahrhunderte in besonderer Weise der deutsche Einfluss mit der dänischen Kultur, wobei die kulturelle und sprachliche Hinwendung zur einen oder anderen Seite eine persönliche Entscheidung jedes Einzelnen war. In diesem Sinn hat man Jahrhunderte lang gesamtstaatlich den Nachbarn mit der anderen Sprache und Kultur respektiert.

 

Zweimal scheiterten im 19. Jahrhundert Versuche, mit Hilfe staatlicher Zwangspolitik die sprachlich-kulturelle und die damit verbundene nationale Ausrichtung der Bevölkerung in den national anders ausgerichteten Gebieten zu beeinflussen.

Nach der kriegerischen Auseinandersetzung um die Stellung Schleswigs und Holsteins im dänischen Staats­verband 1848–1850 versuchte die dänische Regierung durch Sprachverordnungen in Mittelschleswig das Dänische im Schulunterricht auch bei der deutschgesinnten Bevölkerung zwangsweise zu fördern.

 

Als Dänemark nach dem verlorenen zweiten schleswigschen Krieg von 1864 die umstrittenen Herzogtümer abtreten musste und Schleswig-Holstein preußisch wurde, unternahm diesmal die preußische Seite den Versuch, durch Sprachverordnungen eine Germanisierung der dänisch ­gesinnten Einwohner der nördlichen Hälfte Schleswigs zu erreichen. Dies scheiterte und der dänische Bevölkerungsteil Nordschleswigs blieb bis zum Ersten Weltkrieg zahlenmäßig weitgehend stabil.

 

Geburtsstunde der deutschen Volksgruppe

Am Ende des Ersten Weltkriegs bot sich dem dänischen Bevölkerungsteil Nordschleswigs mit Unterstützung des dänischen Staates die Gelegenheit, eine Volksabstimmung über die zukünftige Zugehörigkeit Schleswigs zu fordern.

Nordschleswig entschied sich am 10. Februar 1920 mit 75% der Stimmen für eine Zugehörigkeit zu Dänemark. In den Gemeinden der 2. Zone war eine überwiegende Mehrheit für den Verbleib bei Deutschland. Zur neuen Grenze wurde damit die Clausen-Linie, die die erste und zweite Abstimmungszone trennte.

 

Damit wurde Schleswig durch die Anwendung des nationalen Selbstbestimmungsrechts geteilt, und Nordschleswig musste an Dänemark abgetreten werden, während Südschleswig mit Holstein im deutschen Staatenverband blieb.

Es war zugleich die Geburtsstunde der deutschen Volksgruppe in Dänemark, die bei einer insgesamt starken dänischen Mehrheit in Nordschleswig ihre Schwerpunkte in den Städten, vor allem in Tondern, aber auch in Apenrade, Sonderburg und Hadersleben sowie im ländlichen Bereich des südlichen Nordschleswigs heraus­stellen konnte.

Die Jahrzehnte nach der Volksabstimmung von 1920 waren auf Seite der deutschen Minderheit von der Forderung einer Grenzrevision geprägt. Die Forderungen der deutschen Volksgruppe nach einer Grenzrevision führten zur Konfrontation zwischen Deutschen und Dänen, die in den 30er Jahren durch das Aufkommen des Nationalsozialismus („Heim ins Reich“) verschärft wurde.

 

1938 kam es zur Gleichschaltung aller deutsch-nordschleswigschen Verbände. Eine weitere schwere Belastung erfuhr das Grenzlandklima, als Dänemark am 9. April 1940 von deutschen Truppen besetzt wurde.

Der Zweite Weltkrieg forderte auch von der deutschen Volksgruppe schwere Opfer. Die enge Verbindung der deutschen Volksgruppe zur Besatzungsmacht und die Kriegsteilnahme von mehr als 2100 Freiwilligen aus den Reihen der Minderheit, von denen 752 nicht zurückkehrten, wurde zu einer starken Belastung in der Nachkriegszeit. Nach Kriegsende 1945 wurden ca. 3.000 Angehörige der deutschen Minderheit in einer Rechtsabrechnung verurteilt.

 

Das Jahr 1945 brachte aber auch eine grundlegende Neuorientierung der Politik der deutschen Volksgruppe. Man erkannte die Staatsgrenze von 1920 endgültig an und gab eine Loyalitätserklärung gegenüber dem dänischen Staat ab. Die Absage an eine Grenzverschiebung war ein deutliches Signal an die dänische Seite, dass seitens der deutschen Volksgruppe um Verständnis für ihre geschichtlich-kulturelle Identität und ihre weitere Existenz innerhalb des dänischen Nationalstaates geworben wurde. Es war ein Appell an den Staat, den Mitgliedern der deutschen Volksgruppe eine gleichberechtigte Behandlung zu sichern. Darauf musste die deutsche Volksgruppe aber noch zehn Jahre warten bis zu den Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 warten.

In diesen parallelen Erklärungen Dänemarks und Deutschlands jeweils gegenüber der im eigenen Land lebenden Minderheit werden die staatsbürgerlichen Rechte der Angehörigen der deutschen Minderheit in Dänemark durch die dänische Regierung bzw. die entsprechenden Rechte der dänischen Minderheit in Deutschland durch die Bundesregierung bestätigt. Die Erklärungen gelten als vorbildhaft für den Umgang mit nationalen und sprachlichen Minderheiten in Europa.

Museen und geschichtliche Arbeit

In keinem anderen Landesteil als in Nordschleswig spielt die Geschichte auch heute noch eine so wichtige Rolle. Dies kommt zum Ausdruck in einer Vielzahl regionaler und lokaler Vereinen und Museen sowie einer Fülle von Veranstaltungen. Das gilt auch für die deutsche Minderheit.

 

Im Archiv der deutschen Volksgruppe werden die Archivalien der Verbände, Vereine und Einrichtungen der deutschen Volksgruppe gesammelt und erschlossen. Die historische Forschungsstelle führt Forschungsarbeiten durch, beziehungsweise betreut diese und spielt eine wichtige Rolle bei der Vermittlung der jüngeren Geschichte der deutschen Minderheit. Zu den Aktivitäten gehört unter anderem die Vortragsreihe Schleswigsche Gespräche. Die Forschungsarbeit wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet, dem deutsche und dänische Professoren angehören.

Die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft widmet sich der Erforschung, Darstellung und Vermittlung historischer, landes- und heimatkundlicher Themen durch Fahrten, Tagungen und Schriften.

 

In Sonderburg/Sønderborg befindet sich das Deutsche Museum Nordschleswig, mit Ausstellungen zur Entwicklung der deutschen Geschichte und Kultur in Nordschleswig seit Anfang des 19. Jahrhunderts bis heute. In Apenrade/Aabenraa lädt das deutsche Schulmuseum zu einem Besuch ein.