Apenrade kurz vor der Wahl 1920

Apenrade kurz vor der Wahl 1920

Januar-Juni – Lehrmaterial Geschichte Nordschleswigs

 

Nordschleswig hat eine Geschichte, die sich deutlich von der der Nachbarregionen unterscheidet. Die Existenz der deutschen Volksgruppe ist nur ein sichtbares Zeichen der besonderen Entwicklung des Landesteils. Dieses soll nun auch einem breiteren Publikum und vor allem in den Schulen vermittelt werden. In den Lehrbüchern findet sich hierzu bisher sehr wenig.

 

Mit dem neuen Material wird die spannende, für die deutschen Nordschleswiger identitätsstiftende, Geschichte für den Unterricht in verschiedenen Jahrgangsstufen von Klasse 5 bis 3g aufbereitet. Kompakte Texte zu verschiedenen Epochen und Themenbereichen werden durch historische Einordnungen, Zeitleisten und eine Fülle originaler Quellen in Wort und Bild ergänzt.

Damit wird es Lehrkräften und Schülern in Nordschleswig erleichtert, die eigene Geschichte in den Unterricht einzubeziehen. Aber auch andere interessierte Leser können sich hier bequem Informationen zur spannenden Geschichte Nordschleswigs holen.

 

  • Ort: ständige Verfügbarkeit im Internet
  • Zeitpunkt: erste Teile ab Mitte Februar 2020 im Netz verfügbar, weitere Teile erscheinen danach bis Juni 2020; danach ständige Pflege und Verbesserung
  • Erstellung durch: Carina Heymann (Deutsche Schule Rothenkrug), Hauke Grella (Deutsches Museum Nordschleswig), Gerret Liebing Schlaber ph.d. (Deutsches Gymnasium für Nordschleswig)

 

 

Notgeld Gemeinde Broacker

Notgeld Gemeinde Broacker

10. Februar – Volksabstimmung in der 1. Zone (Nordschleswig)

 

Am Ende des Ersten Weltkrieges wurde das „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ zu einem zentralen politischen Thema – auch für Nordschleswig. Die Versailler Friedenskonferenz bestimmte für Schleswig, dass die nördliche Hälfte – 1. Zone: Nordschleswig – in einer en-bloc-Abstimmung über ihre künftige Zugehörigkeit abstimmen sollte.

 

Am 10. Februar 1920 fand unter internationaler Kontrolle diese Abstimmung statt, die 75% der Stimmen für Dänemark ergab, während sich 25% für den Verbleib bei Deutschland aussprachen. Die Städte Tondern, Apenrade und Sonderburg sowie eine Reihe von Landgemeinden im südlichen Teil Nordschleswigs hatten deutsche Mehrheiten, die aber aufgrund der en-bloc-Abstimmung nicht berücksichtigt wurden. Die deutschgesinnten Nordschleswiger organisierten sich nach der Volksabstimmung als deutsche Volksgruppe in Dänemark.

 

 

Abstimmungsplakat  - Schleswig/Deutsch

Abstimmungsplakat - Schleswig/Deutsch

14. März – Volksabstimmung in der 2. Zone (Südschleswig)

 

Der Versailler Friedensvertrag sah, außer der Volksabstimmung in der 1. Zone, vor, dass eine weitere Abstimmung in einer 2. Zone südlich der ersten durchgeführt werden sollte. Hier sollte gemeindeweise abgestimmt werden. Die 2. Zone umfasste die Stadt Flensburg und von ihr ausgehend einen ungefähr 15 km breiten Streifen bis auf die nordfriesischen Inseln. Der Abstimmungskampf mit Versammlungen, Plakaten und Flugblättern wurde besonders heftig um die Stadt Flensburg geführt, die das wirtschaftliche Zentrum der gesamten Region bildete.

 

Die Gemeinden der 2. Abstimmungszone entschieden sich 1920 mit insgesamt über 80% für Deutschland (in Flensburg 75% für Deutschland, 25% für Dänemark). Damit wurde die Trennlinie zwischen der 1. und der 2. Zone zur neuen Grenze zwischen Deutschland und Dänemark.    

 

Übersicht Abstimmungsergebnis 1920

Übersicht Abstimmungsergebnis 1920

29. März – Bonn-Kopenhagener Erklärungen, 65. Jahrestag


Die Bonn-Kopenhagener Erklärungen am 29. März 1955 hatten ihren Ursprung vor allem darin, Probleme zwischen der nach dem Zweiten Weltkrieg stark angewachsenen dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein und der dortigen Landesregierung zu beseitigen. Die Erklärung war die Forderung Dänemarks für die Zustimmung zur Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die NATO. Aber auch in Dänemark gab es ungelöste Fragen, die aus der Besetzung Dänemarks im Zweiten Weltkrieg und der Rechtsabrechnung (Retsopgør) danach herrührten.

 

Die Lösung dieser Probleme erfolgte in Form von zwei annähernd gleichlautenden Erklärungen der beiden Staaten für die jeweils im eigenen Land lebende Minderheit. Es handelt sich somit nicht um einen völkerrechtlichen Vertrag, sondern zwei parallele Erklärungen. Der Kernpunkt dieser Erklärungen lautet: Das Bekenntnis zur Minderheit ist frei und darf weder nachgeprüft noch bestritten werden.

 

Aufgrund dieser Erklärungen wurde in Schleswig-Holstein die dänische Minderheit von der 5%-Klausel für den Einzug in den Landtag befreit und der deutschen Minderheit wurde das Examensrecht für ihre Schulen und damit die Voraussetzung für die Errichtung eines deutschen Gymnasiums zuerkannt.

 

 

Original Haderslebener Erklärung

Original Haderslebener Erklärung

9. April – Danmarks besættelse, 80. Jahrestag

 

Trotz eines zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und Dänemark geschlossenen Nicht-Angriffspaktes besetzte Deutschland am 9. April 1940 im Rahmen einer militärischen Aktion, die auf die Besetzung Norwegens zielte, Dänemark. Nach kurzer Gegenwehr an einigen Orten Nordschleswigs streckte Dänemark die Waffen. Die dänische Regierung blieb bis zum Generalstreik von 1943 im Amt und führte mit der deutschen Besatzungsmacht eine Zusammenarbeitspolitik.

 

Die deutsche Volksgruppe hatte sich bereits seit 1933 weitgehend dem nationalsozialistischen Gedankengut angeschlossen und hoffte im Verlauf der Besetzung, dass es zu einer Grenzverschiebung nach Norden käme. Das erfolgte aber nicht. Trotzdem blieb die Verbundenheit zu Deutschland ungebrochen und die Minderheit folgte den deutschen Wünschen, in ihren Reihen für die Kriegsteilnahme zu werben.

 

Einmarsch Deutscher Soldaten in Tondern 9.April 1940

Einmarsch Deutscher Soldaten in Tondern 9.April 1940

Aufmarsch der Schleswigschen Kameradschaft in Sonderburg

Aufmarsch der Schleswigschen Kameradschaft in Sonderburg

5. Mai – Danmarks befrielse, 75. Jahrestag

 

In den Niederlanden, Norddeutschland, Dänemark und Norwegen endete der Zweite Weltkrieg am 5. Mai 1945. Damit war auch die seit 1940 bestehende Besetzung Dänemarks beendet. In Dänemark wurden daraufhin unmittelbar alle Personen interniert, die in einer Verbindung zur deutschen Besatzungsmacht gestanden und sie unterstützt hatten – das erfolgte durch die Kräfte der dänischen Freiheitsbewegung, die seit 1943 in zunehmenden Maße den Widerstand gebildet hatte.


Durch ihre Bindung zu Deutschland, die sich in der Hinwendung zum Nationalsozialismus und in der Unterstützung der deutschen Besatzung gezeigt hatte, war die deutsche Volksgruppe von diesen Internierungen stark betroffen. Im Laufe der folgenden Monate erfolgte eine Gesetzgebung mit rückwirkender Kraft, die zu Gerichtsverfahren und Urteilen führte (Rechtsabrechnung – Retsopgør). 
 

Besuch Königin

Juni/Juli – Eingliederung Nordschleswigs in Dänemark

 
1. Juni – Einführung der dänischen Krone
 
Nach der Volksabstimmung vom 10. Februar erfolgte im Rahmen der Eingliederung Nordschleswigs nach Dänemark am 1. Juni 1920 die Einführung der dänischen Währung.
 
15. Juni – Offizieller Tag der „Wiedervereinigung“ (genforening)
 

Die offizielle Übertragung der Souveränität über das Abstimmungsgebiet Nordschleswig von Deutschland/Preußen an Dänemark erfolgte am 15. Juni 1920
 
10. Juli – König Christian X. reitet über die Grenze bei Christiansfeld
 
Mit starkem symbolischen Charakter wurde der Ritt des dänischen Königs Christian X. über die ehemalige Grenze nördlich von Christiansfeld inszeniert. Durch eine Ehrenpforte ritt der König auf einem Schimmel in das durch eine Volksabstimmung neu gewonnene Land ein, um es in Besitz zu nehmen.
 

Christian X - Eintritt nach Nordschleswig - Schloss Sonderburg

Christian X - Eintritt nach Nordschleswig - Schloss Sonderburg

11. Juli – Feier in den Düppeler Schanzen

 

Unter großer Beteiligung der dänischgesinnten Nordschleswiger, die durch ihre Stimmabgabe Nordschleswig für Dänemark gewonnen haben, nahm der dänische König Christian X. auf Düppel offiziell Nordschleswig für Dänemark in Besitz. Düppel ist dabei als Ort der Inbesitznahme von besonderer symbolischer Bedeutung, da es die dänische Niederlage bei den Düppeler Schanzen am 18. April 1864 war, die das Ende des dänischen Gesamtstaats und die Abtretung der Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg einleitete. Dieses nationale dänische Trauma war durch die mehrheitliche Entscheidung in Nordschleswig für Dänemark in der Volksabstimmung ausgemerzt und in einen nationalen Sieg verwandelt worden.    

Zur Veranstaltung (auf dänisch)
 

Sammelplatz für dänische Stimmberechtigte

Sammelplatz für dänische Stimmberechtigte

11. Juli – Einweihung Museum

 

Seit 1986 besteht das Deutsche Museum Nordschleswig in Sonderburg, zunächst in ehrenamtlicher Leitung wurde aus diesem Museum, das inzwischen mit dem Deutschen Schulmuseum Nordschleswig vereinigt ist, ein für die Geschichte und Kulturgeschichte der deutschen Volksgruppe wichtiger Lernort.

Durch großzügige Unterstützung von deutscher und dänischer Seite, unter anderem auch durch private Stiftungen, war es möglich, einen umfassenden Umbau sowie den Anbau eines neuen Gebäudeteils im Gedenkjahr 1920/2020 vorzunehmen.

Der Neubau ermöglicht es, dass auch das Archiv der deutschen Volksgruppe Platz in dem neugestalteten Geschichtszentrum findet. Das vollkommen neu gestaltete Museum wird am 11. Juli eingeweiht. 

 

deutsches-museum.dk 

 

Neubau Bild 1

15. August – Gründung Schleswigscher Wählerverband in Tingleff

 

Nach der Volksabstimmung und der Eingliederung Nordschleswigs in Dänemark 1920 galt es für die deutschgesinnten Nordschleswiger, Organisationen zu gründen, mit denen sie ihre sprachlichen, kulturellen und politischen Interessen vertreten konnten. Die führende Persönlichkeit war dabei Johannes Schmidt-Wodder. Als politische Organisation der deutschen Volksgruppe gründete er am 15. August 1920 den Schleswigschen Wählerverband, über den er bei der folgenden Wahl in das dänische Parlament einzog. Dieses Abgeordnetenmandat hatte er bis 1939 inne.

  

Knivsbergturm vor 1920

Knivsbergturm vor 1920

9.-10. Oktober Kulturnacht Christiansborg

 

Wie schon seit vielen Jahren beteiligt sich der Bund Deutscher Nordschleswiger als Gast auf Christiansborg an der Kulturnacht in Kopenhagen. Aus Anlass des Gedenkjahres 1920/2020 steht dabei die Geschichte der deutschen Volksgruppe mit Objekten des Deutschen Museums Nordschleswig und Dokumenten aus dem Bestand des Archivs der deutschen Volksgruppe im Mittelpunkt.

 

 

Kulturnacht2016(1)