15. August 100 Jahre SP – 100 Jahre Politik für die deutsche Minderheit

 

 

Die Schleswigsche Partei (SP) kann in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiern. Dieses Jubiläum wünscht die parteipolitische Vertretung der deutschen Minderheit u.a. mit einer Sonderausstellung und Festempfang am Gründungstag (15. August) samt einem Jubiläumsheft über 100 Jahre Parteigeschichte zu markieren.

 

Die Sonderausstellung wird von Hauke Grella, Leiter des Deutschen Museums, inhaltlich konzipiert und thematisch zusammengesetzt, sodass zentrale Ereignisse und bedeutende Ausschnitte aus der 100-jährigen Geschichte der SP gezeigt werden. Begleitend zur Ausstellung wird eine deutsch-dänische Broschüre über die Ausstellung erstellt sowie ein Jubiläumsheft. Hierfür wird Frank Lubowitz, Leiter des Archivs/Historische Forschungsstelle, eine Artikelserie verfassen, die im Nordschleswiger veröffentlicht und schließlich im Jubiläumsheft zusammengefasst und mit weiteren Texten ergänzt wird.

 

Ort: Deutsches Museum Sonderburg

Zeitpunkt: 15. August 2020

Veranstalter: Schleswigsche Partei

 

Historische Wahlplakate im Überblick - zum Teil schon damals in dänischer Sprache.

 

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Geschichtlicher Hintergrund

 

Nach der Volksabstimmung und der Abtretung Nordschleswigs organisierte sich die deutsche Volksgruppe in Dänemark in allen gesellschaftlichen Bereichen. Dazu gehörte auch die Gründung einer politischen Vertretung, des „Schleswigschen Wählervereins im August 1920. Ein zentraler Programmpunkt des Wählervereins war die Forderung nach einer Revision der Grenze und die Betonung des Rechts der Deutschen in Nordschleswig ein, sich "in Kirchen-, Schul- und allen völkischen Angelegenheiten selbst zu verwalten".

 

An den Folketingswahlen nahm der Wählerverein unter dem Namen Schleswigsche Partei (Slesvigsk Parti) teil und erzielte ein Mandat, das von 1920 bis 1939 von Johannes Schmidt – Wodder wahrgenommen wurde, danach war der nationalsozialistische Volksgruppenführer Jens Möller bis 1943 für die Schleswigsche Partei Mitglied des Folketing .


Während sich die deutsche Volksgruppe In den Jahren 1933-1945 mehrheitlich dem Nationalsozialismus zugewandt hatte, gab es einen kleinen Kreis deutschgesinnter Männer, die dem NS-Regime fernstanden und bereits im Jahr 1943 die später als "Haderslebener Erklärung" bezeichnete Zukunftsvision aufzeichneten, in der sie sich zur Demokratie und zur Loyalität dem dänischen Staat gegenüber bekannten. Diese Erklärung bildete nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges den Grundstein für einen organisatorischen Neuanfang der deutschen Volksgruppe.

 

 

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Nach 1945

 

Bereits im November 1945 wurde als neue Hauptorganisation der "Bund deutscher Nordschleswiger". Bereits bei den ersten Wahlen nach dem Krieg nahm die deutsche Volksgruppe wieder an den Folketingwahlen teil, konnte aber er im Jahr 1953 ein Mandat erlangen, das bis 1964 von Hans Schmidt, Oxbüll wahrgenommen wurde.

 

Nachdem bei der Folketingswahl 1964 die Schleswigsche Partei nicht mehr die vorgesehene Stimmenzahl für ein Mandat erreicht hatte, wurde anstelle des Folketingmandats der "Kontaktausschuss der deutschen Minderheit" unter dem Staatsministerium gebildet. Neben diesem Ausschuss erhielt die deutsche Minderheit 1983 das "Sekretariat der deutschen Volksgruppe in Kopenhagen", um die politischen Interessen der deutschen Minderheit gegenüber dem Folketing zu vertreten.

 

Programmatisch standen in den 1960er und 1970er Jahre der Abbau der Grenzen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und eine Integration Dänemarks in die Europäische Gemeinschaft im Mittelpunkt.

Nach der Kommunalreform 1970, wurde die regional- und kommunalpolitische Arbeit der Schleswigschen Partei intensiviert. Auch programmatisch wurde der Regionalpolitik mehr Platz eingeräumt. Im Amtsrat für Nordschleswig war  die Schleswigsche Partei ab 1970 vertreten.

 

 

 

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80er Jahre

 

Das Profil der Schleswigschen Partei wird seit den 80er Jahren deutlich von drei Schwerpunkte bestimmt: die SP ist die Partei der deutschen Minderheit, sie ist eine Regionalpartei und sie ist grenzüberschreitend und europäisch.

Die SP strebt vor allem Wahlbündnisse mit den kleinen Parteien der Mitte an. Die Schleswigsche Partei erhält auf kommunaler Ebene auch Wahlbündnisangebote von den großen Parteien, was als ein Zeichen der Entspannung im Grenzland aufgefasst werden kann.

 

Die Schleswigsche Partei hat eine aktive Jugendorganisation, die jungen SPitzen, eine der größten politischen Jugendorganisationen in Nordschleswig

Die inhaltlich Profilierung und ein sichtbarer Generationenwechsel führten dazu, dass nach einer weiteren Kommunalreform 2007 die Stimmenzahlen zunahmen und der Vertreter der SP, ein Mitglied der jungen SPitzen, in den Sonderburger Stadtrat gewählt und zugleich Vorsitzender des Kulturausschusses wurde. Dieser Erfolg konnte 2009 noch einmal gesteigert werden.

 

Bei der Kommunalwahl 2013 konnte die Schleswigsche Partei ihren erfolgreichen Kurs fortsetzen und erlangte insgesamt acht Sitze in den vier nordschleswigschen Stadträten.

Damit hat sich die Schleswigsche Partei als regionale Partei durchgesetzt und konnte zunehmenden Zuspruch auch bei der Mehrheitsbevölkerung feststellen.

2017 konnten der Stimmenzuwachs nur in Sonderburg fortgesetzt werden. Die Schleswigsche Partei stellt nunmehr den 1. Vizebürgermeister dieser Kommune. In der anderen Kommune war ein leichter Stimmenrückgang zu verzeichnen, der primär aber auf lokale politische Gegebenheiten zurückzuführen ist.

 

Ein aktuelles Wahlplakat von heute

Ein aktuelles Wahlplakat von heute